Ein älterer, erfahrener Kollege und guter Freund schickte mir neulich einen Newsletter zu und bittet mich dazu um meine Meinung: „Braucht der neue Texter dort vielleicht einen Deutsch-Kursus? Werden Newsletter jetzt tatsächlich so gemacht?“

Wer am Text(er) spart, erntet ungewollte Lacher – aber keinen Erfolg.

Besagter Newsletter wurde von einem großen Allgäuer Autohaus Anfang Dezember versendet und sorgt schon mit seinem Aufmacher für einen ungewollten Lacherfolg: Zwei Ferkel mit engelsgleichen Flügeln quieken fröhlich vor einem blauweißen Schäfchenhimmel. Wann wurden eigentlich Weihnachten und Neujahr zusammengelegt? Und was halten Vegetarier oder muslimische Autohauskunden davon?

Ferkel, noch dazu in einem Weihnachts-Newsletter, halte ich persönlich zwar für unpassend, aber Schwamm drüber, viel desaströser ist meines Erachtens der misslungene Newslettertext.

Schlechte Reime stoßen auf und stören den Lesefluss.

Im Newsletter reimt der Texter

Zitat:

„(…) zu dem heiligen Weihnachtsfeste, sagen wir danke und wünschen Ihnen das Beste von allen Dingen. Mögen Sie gesund bleiben und sich die Zeit mit schönen Dingen vertreiben. Die festliche Zeit möge Ihnen Ruhe bringen und Ihnen soll alles gelingen!
Auch dieses Jahr verschenken wir in unserem xxx Adventskalender wieder tolle Preise!
Verlost werden täglich wechselnde Preise im Gesamtwert über 2.000€ wie (…) rund ums Auto, (…). Einfach täglich mitmachen und mit etwas Glück gewinnen! Folge uns einfach auf Facebook und Instagram um nichts zu verpassen! Wir wünschen euch eine schöne Adventszeit und viel Glück!“ 

Zitat Ende.

Miese Newsletter sind schlecht fürs Image.

Rechtschreib- und Kommafehler*, „Deppenleerzeichen“, Duzen und Siezen bunt gemischt, dazu die komplett falsche Ihr- bzw. Euch-Ansprache; selbst der klar definierte Zeitraum Advent** genügt dem Texter nicht. Ein Monat, der mit so viel Glitzer und neuerdings auch mit geflügelten Ferkeln daherkommt, wird flux zur Adventszeit umdefiniert. Da wiehert der weiße Schimmel und wundert sich.

Selbstverständlich wird dieser Weihnachts-Newsletter mit attraktiven Fahrzeug-Angeboten aus dem Autohaus kombiniert. Wenn schon, denn schon:

„Die kleinen sportlichen Flitzer sind perfekt für den Partner, die Tochter oder den Sohn als Geschenk unter dem Christbaum.“

Wie groß muss ein Weihnachtsbaum sein, damit ein neues Auto kratzerlos darunter passt?

Mal abgesehen davon ist der kleine Flitzer offensichtlich auch nur für andere (eher unwichtige) Familienmitglieder gedacht. Die Angebote der drei größeren Autos werden dagegen selbstverständlich nur dem männlichen Familienoberhaupt zugestanden. Im Allgäu dreht sich die Welt noch immer extrem langsam. Emanzipation ist, so scheint es, in diesem Autohaus noch nicht angekommen. Nennen Sie mich kleinlich, aber für mich wäre dies ein weiterer Grund, dort niemals ein Auto zu kaufen.

Unterschätzen Sie niemals die Wirkung eines schlechten Newsletters.

Wer bei einem Newsletter derart schlammt, nimmt es mit seinen Angeboten vielleicht auch nicht so genau. Deswegen wiegt jeder Rechtschreibfehler im Text viel schwerer, als es zunächst den Anschein hat. Auf mild gestimmte Abonnenten darf der Versender dabei nicht hoffen. Im besten Fall landet der Newsletter direkt im Müll, kritischen Lesern stößt er dagegen sauer auf, auch ohne dass diese sich beschweren.

Was tun, wenn Sie bessere Newsletter möchten?

Gegen miese Newsletter helfen keine Weihnachtswunder. Entweder ist dem Versender sein Image egal, oder der Texter verfügt über Qualitäten, von denen wir beide nichts wissen.

  • Mischen Sie Weihnachts-Newsletter nicht mit aktuellen Angeboten. Weihnachts-Newsletter sind dazu da, sich bei Kunden für ihre Treue zu bedanken und nicht, um zum Jahresende noch ein gutes Geschäft zu machen.
  • Wenn Sie zum Jahresende unbedingt noch besondere Angebote raushauen wollen, dann kommen Sie bitte direkt und ohne Umschweife auf den Punkt. Für alles andere haben weder Abonnenten Zeit, noch Sie.
  • Wenn Sie es besser machen wollen: Sparen Sie nicht am Texter oder an der Texterin. Profis sind ihr Honorar wert. Immer!
  • Professionelle Texterinnen mit langer Erfahrung finden Sie nicht bei Textbroker und Co. Warum sollten sie ihr Honorar mit einer Agentur teilen und Preise akzeptieren, die im untersten Cent-Bereich pro Wort liegen? Davon kann kein Texter existieren. Womit bewiesen ist, dass es keine echten Profitexter auf Broker-Seiten gibt.
  • Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre neue Texterin gut ist und professionell arbeitet, lassen Sie sich vorab Referenzen erfolgreicher Newsletter zeigen.

*Rechtschreibfehler passieren auch professionellen Texterinnen. Dagegen hilft das Vieraugenprinzip. Am besten hilft jedoch der Einsatz einer Korrektorin, aber auch ihre Arbeit ist nicht umsonst zu haben.
**Advent, eigentlich adventus Domini, bezeichnet die Jahreszeit, in der sich Christen auf Weihnachten, der Geburt Christi, vorbereiten.

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