Web 2.0 ist in aller Munde und in allen neuen Marketingbüchern, die uns den einzig wahren Weg der Meinungsbildung ans Herz legen möchten. Die Community ist alles. Klassische Werbung ist schlecht, weil sie stört und manipuliert. Zwischentöne gibt es nicht, glaubt man den neuen Helden.

Alles Quatsch. Auch in den Communitys gilt das bekannte Prinzip: Wer schöner, lauter, bunter, geheimnisvoller, netter erzählt, wird erhört. Ob die Story nun real ist oder nicht, zählt dagegen nicht. Die Leute wollen Geschichten hören, leichtfüßig unterhalten werden und, auch wenn niemand es so gerne zugibt: ein schön erzähltes Märchen ist noch immer besser als der eigene grauer Alltag.

Niemand sollte der Illusion erliegen, YouTube, Flickr und Co wären nichts weiter als unkommerzielle Spielwiesen für Ego-Darsteller. Ihre Unschuld haben auch diese Medien längst verloren, im Grunde bereichern sie lediglich die Palette möglicher Werbeflächen. Good old Advertising ist überall – auch wenn nicht jeder Werbeblock als solcher gekennzeichnet wird. Der feine Unterschied: Wann ein Filmchen angesehen wird, entscheidet nicht der Werbungtreibende, sondern der Betrachter selbst. Insofern spricht also nichts dagegen.

Schöner Nebeneffekt: Es werden Begehrlichkeiten in Bezug auf die technische Ausstattung der Ego-Darsteller geweckt. Ein neuer Camcorder muss her, schnellere Leitungen (davon können ISDN-User wie ich nur träumen) und dazu noch witzige Filmideen. Dafür lassen sich doch bestimmt Sponsoren finden, oder nicht?

Spiegel berichtet heute:

„Nur falsch ist wirklich echt. Über Monate war lonelygirl15 ein Darling der YouTube-Nutzer und der Medien. Jetzt entpuppt sie sich als Marketing-Gag – und entzaubert den Mythos der YouTube-Community. Die Eroberung des Web 2.0 durch die Kommerzwelt stellt alles in Frage.“

Nachtrag zur Lonelygirls Entzauberung „Der Name der Rose“

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