Wochenende, Sonnenschein, Zeit für meinen Garten, die lieben (großen) Kinder und das Enkelkind. Das bisschen Haushalt ist schnell gemacht und dann nichts ab ins Vergnügen. Nur schnell noch einmal die Mails checken und dann nichts wie raus. Doch hoppla, was ist das? Freitagabend, kurz vor Mitternacht ist tatsächlich das seit drei Tagen überfällige Briefing für den nächsten Newsletter eingetrudelt.

Jederzeit freie Fahrt für undisziplinierte Kunden?

Gehen Kunden inzwischen grundsätzlich davon aus, dass ihre willfährigen Dienstleister rund um die Uhr und auch am Wochenende für sie zur Verfügung stehen? Oder sind wir selbst daran schuld, wenn Geschäftspartner keine Rücksicht auf „normale“ Geschäftszeiten nehmen? 

Briefings am Wochenende sind bei manchen Auftraggebern keine Ausnahme, sondern die Regel. Ich habe mich fast schon daran gewöhnt und knurre nur noch selten. Nämlich dann, wenn ich tatsächlich überhaupt keine Zeit dafür habe. Viel zu oft gebe ich dem (gefühlten) Drängen nach und texte sogar sonntags Newsletter. Der Kunde ist schließlich ein wichtiger Brot- und Butterkunde, den ich nicht verärgern und auch nicht verlieren will. Er hat nur einen großen Fehler: Sein Zeitmanagement ist eine einzige Katastrophe und ich bin die Dumme, die „doch immer alles rechtzeitig schafft“. Aber Spaß ist das nicht.

Ein anderer Kunde versucht beharrlich an den Wochenenden und/oder abends nach halb acht seine Texterin telefonisch zu briefen. Weder kurz noch knapp, wie es per E-Mail üblich und richtig ist, sondern leider stundenlang. Der Mensch quasselt mich zu mit Dingen, die mich überhaupt nicht interessieren und zum Erfüllen der Aufgabe auch nicht notwendig sind. Ein Unding, gegen das ich mich nur wehren kann, indem ich den Telefonhörer außerhalb der Geschäftszeiten jetzt einfach nicht mehr abnehme. Zu so viel Selbstdisziplin muss ich mich richtig zwingen, doch angenehm ist das für mich leider auch nicht.

Der nächste Kunde spricht mich am liebsten über Facebook an und meint zu seiner Verteidigung: „Da erreiche ich Sie, auch wenn es schon etwas später ist.“ Dass diese Art von Netzkontrolle mir gewaltig gegen den Strich geht, ahnt er vermutlich noch nicht einmal.

Muss ich denn als Dienstleisterin tatsächlich abends und am Wochenende für alle meine Kunden erreichbar sein und meine Freizeit opfern, nur weil diese nicht planen können? Sicher nicht! 

Immerzu für alle erreichbar zu sein, geht auf Dauer nicht gut.

Nur drei Beispiele von vielen. Meine Schnelligkeit und Just-in-Time-Verfügbarkeit gehörten vor fast zwanzig Jahren noch zu meiner USP, heute sind sie mehr Fluch als Segen. Und  deswegen ist es jetzt an mir, meinen Unmut über die Arbeit zur Unzeit zu kommunizieren und auf reguläre Geschäfts- bzw. Arbeitszeiten zu verweisen.

Dabei sind klare Ansagen und Beharrlichkeit angesagt. Meistens genügt es jedoch völlig, Fakten zu schaffen. Also beispielsweise den Newsletter, trotz der Drängelei am Wochenende, erst am Montag zu texten. Das weiß der Kunde natürlich auch und meckert inzwischen auch nicht mehr, wenn der erste Testlauf erst am Montag Nachmittag startet. Wenn doch: Es liegt ja ganz bei ihm, das Briefing früher zu senden oder eben den Newsletter einen Tag / eine Woche später zu starten.

Fazit: Selbstständig zu sein bedeutet, selbst über seine Arbeits- und Kontaktzeiten zu entscheiden. Die Angst, der Kunde könnte deswegen abwandern, ist meiner Erfahrung nach meist unbegründet. Und wenn doch: Kunden, die nur bleiben, weil sie einen am Wochenende oder abends nerven briefen dürfen, sind ohnehin auf Dauer keine  Kunden, die man um jeden Preis halten will.

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