„Haben Sie Lust, unser neues Blog aufzubauen und zu führen. Es soll im Stil von (Name eines bekannten Wohnen-Magazins) entstehen. Bislang kaufen wir für unser Blog nur einzelne Texte, doch jetzt wird alles von Grund auf neu gemacht.“

Über solche Anfragen freue ich mich natürlich sehr. Zumal das genannte Vorbild tatsächlich allerhand zu bieten hat: Berichte von Messe-Neuheiten nebst tollen Fotos. Dazu werden jede Menge Produkte bekannter Marken, Einrichtungsideen und Designer vorgestellt. Die spannende Frage vorab ist allerdings: Steht für das neue Projekt ein realistisches Budget zur Verfügung und hat der Interessent überhaupt eine Ahnung davon, was für sein neu geplantes Blog tatsächlich alles vonnöten ist? Er wäre nicht der Erste, der als mächtiger Tiger losspringt und nur als Bettvorleger landet.

Ein Corporate Blog ist mehr als die Ansammlung von Texten.

Ein Blog, das wie ein echtes Magazin daherkommen soll, muss auch als solches geplant werden:

  • Was ist das große Thema?
  • Welche Content-Strategie wird verfolgt?
  • Welche Zielgruppe wird angesprochen?

Ist das alles gegeben, folgen schon die nächsten Fragen:

  • Woher kommen die grundlegenden Informationen über die genannten Themen, beispielsweise Produkte, Neuheiten, Personen, etc. ?
  • Wer schreibt über welche Themen?
  • Wie oft erscheinen neue Artikel? Täglich, wöchentlich, monatlich? Gibt es genügend Stoff und auch Textpower für den geplanten Turnus?

Schon jetzt wird klar: Je umfangreicher der Themenkatalog und je größer der Autorenpool, desto wichtiger ist ein Redaktionsplan.

Jochen Mai von Karrierebibel hat das alles und noch viel mehr in diesem lesenswerten Artikel über erfolgreiche Corporate Blogs zusammengefasst. Leider wollen viele potenzielle Auftraggeber von alledem nichts wissen, sondern gehen lieber gleich in medias res: „wir lassen erst einmal schreiben und sortieren hinterher.“

3 Cent pro Wort sind nicht genug

Sie ahnen was kommt: Auch mein neuester „Interessent“ glaubt weder an die Vorteile einer Content-Strategie noch an die eines simplen Redaktionsplans. Er will Themen weder vorgeben noch planen und schon gar nicht will er Geld für Bildrecherchen oder Fotos ausgeben. Er will 300-Wörter-Texte, das Wort für 3 Cent, also 9 Euro pro Artikel. Unique versteht sich. Hochwertig sowieso. Und für 9-Euro-Artikel reichen folgerichtig auch 1-Euro-Bilder von Fotolia.

Und schon wieder ist ein (dürrer) Tiger als Bettvorleger gelandet, wo anfangs zumindest eine passable Idee gewesen ist: Führen wir doch ein Corporate Blog, um die Artikel unseres Shops vorzustellen und um bei Kunden einen menschlichen Eindruck zu hinterlassen.

Ach was! Einfach nur schade um die vertane Zeit.

Fazit: Drei Cent pro Wort bilden keine Basis für ein lebendig geführtes Corporate Blog. Wer Leser immer wieder verführen will, braucht spannende Themen am laufenden Band und Autoren, die begeistert darüber schreiben. Die Wertschätzung der beauftragten Autoren, zumindest jedoch ihre faire Bezahlung, gehören unbedingt dazu.

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