Gold versprechen, Katzengold vor die Füße werfen. Es gibt leider mehr als nur einen Verlag, der nach diesem Prinzip überteuerte Loseblattsammlungen als Werbetexterkurs verkaufen. Ein einträgliches Geschäft. Dass jetzt ein „Guter“ der Branche bei so einem Verlag anheuert, stimmt mich nachdenklich. Wendet sich nun das Blatt oder wird doch nur ein bislang aufrechter Mahner mundtot gemacht? Und wie hoch ist dafür sein Preis? Was Werbetexter verdienen, mal aus anderer Perspektive. 

Vom Werbetexter zum Chefredakteur

Eigentlich sollte ich Bernd zu seinem neuen Job von Herzen gratulieren. Andererseits … es geht eben um diesen Arbeitgeber bzw. um dieses Projekt. Und dann darf die Frage durchaus erlaubt sein, wie Bernd das alles unter seinen Hut bringen will. Als Werber erfolgreich anders denken, groß und durchaus glaubhaft tönen, die alte Werbeschule gilt nicht mehr und dann sich vom Verlag VNR (ausgerechnet!) assimilieren lassen? Wie passt das zusammen?

Nein, ich habe absolut nichts gegen die bekannte Loseblatt-Sammlung. Darin finden Werbungtreibende durchaus praxisnahe verwertbare Ideen und Anregungen. Die meisten gehören allerdings in die Schublade „Gute Werbemaßbaren zum überschaubaren Preis“. Was mich dagegen wirklich ärgert sind solche Praktiken: Da wird für ziemlich teures Geld ein Werbetexterfernkurs verkauft (und zwar mit mehr als unlauteren Argumenten, die hier nachzulesen sind) und dann stellt sich heraus, der Kurs läuft unter falschem Namen. Amerikanischer Werbebriefkurs wäre viel angemessener. Wie dem auch sei: Ahnungslose Menschen werden angelockt solchen Aussagen:

Verdienen Sie zwischen 2.500 und 10.000 € – pro Brief!

Die meisten Werbetexter bekommen für das Schreiben eines mehrseitigen Werbebriefs ein Fixum. Je nach Auftrag und Umfang des Briefs kann sich dieses Fixum zwischen 2.500 und 10.000 € bewegen. Daneben erhalten Werbetexter häufig noch eine Prämie, die immer dann fällig wird, wenn der Werbebrief besondere Erfolge erzielt.

Ich bin seit über 10 20 Jahren Werbetexterin und kenne diverse Honorartabellen. Werbebriefe gehen in der Regel ab 240.- Euro bis möglicherweise 600.- Euro pro Seite raus. Falls ein Kollege mehr verdient, möge er mir bitte sein Geheimnis verraten. Aber darum geht es mir nicht. Der VNR zahlt nämlich noch nicht einmal diesen, im Verhältnis zum angepriesenen Traumhonorar, ausgesprochen mickrige 40.- Euro !!! So das telefonisch eingereichte Angebot der VNR-Redaktion. So lächerlich wenig sollte ich als Autorin für Werbebriefe der Loseblattsammlung verdienen. Mit der fadenscheinigen Begründung „solche Texte lägen ja ohnehin bei mir in der Schublade“. Als wenn ich fertige Werbebriefe auf Vorrat halte und sie eben mal auf den Tisch lege, sobald ein Kunde ihn bestellt. Mehr als ein Kopfschütteln ruft bei mir so ein Ansinnen nicht hervor.

Um zurück zum Thema Bernd und sein neuer Posten als Chefredakteur zu kommen. Ja, ich gratuliere dir – und wünsche uns allen, du mögest bitte keine Kreide fressen sondern statt dessen das tun, was du hervorragend kannst: querdenken und erfrischend neue Ideen publizieren. Und hoffentlich lässt du dich dafür vom Verlag VNR ordentlich bezahlen.

Was Werbetexter verdienen und was nicht

Nachtrag: Dieser Artikel erschien erstmals 2006. Seither ist viel am Textermarkt geschehen. Broker meinen, Werbetexte für’n Appel und ’n Ei verhökern zu können. Auftraggeber meinen, für drei Cents pro Wort Qualität zu bekommen, gute, erfahrene Texter können von ihrer Arbeit nicht mehr leben und bauen sich zweite oder gar dritte Standbeine auf, Hausfrauen bloggen am Küchentisch und wundern sich, dass sie dabei nicht reich werden, SEO-Texter meinen, Googles Weisheiten zu kennen, müssen aber alle drei Monate ihre Kenntnisse über den Haufen werfen, weil Google seinen Algorithmus ändert … 

Dabei könnte doch alles so einfach sein: Schon seitdem es Google gibt, sagt Google: Schreib für den Leser und nicht für die Suchmaschine. Das war und ist schon immer mein Credo. Inzwischen seit über 20 Jahren! Falsch ist das sicher nicht.

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