Social Media ist gefährlich. Einen Moment lang nicht aufgepasst und was Dummes von dir gegeben und im nächsten Moment bist du deswegen vielleicht deinen Job los, die Familie will nichts mehr mit dir zu tun haben und der Social Mob schickt dir tausendfach Todesdrohungen. Kein Scherz, sondern traurige Wirklichkeit bei Justine Sacco. Ein Name, den ich bislang nicht kannte. Er gehört einer Frau, die vermutlich einfach nur aus Langeweile dummes Zeug von sich gab.

Früher wurden Dummheiten schnell vergessen und der Kreis derjenigen, der zufällig von so einer Dummheit erfuhr, war sehr begrenzt. Heutzutage reagiert das Netz blitzschnell auf derartige „Missetaten“ und jeder Popanz denkt, er sei in der Lage, die Sachlage zu analysieren und entsprechend zu quittieren. Justine Saccos Chef sprach ihr umgehend die Kündigung aus. Das ist schon hart, wenn man bedenkt, welchen rassistischen oder Menschen verachtenden Mist manche Dumpfbacken lauthals an der Werkbank von sich geben. Oder Assistenten an der Kopierstation. Der Unterschied liegt nicht in der Qualität des Mistes, sondern an der Reichweite, die so ein Tweet mit 140 Zeichen haben kann. Und daran, dass eben jeder mit Twitter- oder Facebookprofil sich als Richter über andere berufen fühlt. Der soziale Pranger ist Wirklichkeit geworden und niemand ist davor gefeit, eines Tages genau dort dem Spott und der Häme der anderen preisgegeben zu sein.

Auch Ex-Bundespräsident Wulff weiß ein Lied davon zu singen. Was wurde er niedergemacht. Von den Medien, aber auch vom Social Mob. Er wurde gezwungen, sein Amt niederzulegen und wofür: für nichts! Egal – den Social Mob interessieren die Folgen nicht. Frau weg, Amt weg, Freunde weg, Ehre mühsam gerettet – aber auch nur dann, wenn der Staatsanwalt, der scheinbar ein echter Wadlbeißer ist, wie man hier in Bayern zu sagen pflegt, endlich Ruhe gibt.

Gleiches gilt für den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Sie kreuzigen ihn weil er im Auftrag der Kirche für die Kirche und auf deren Kosten eine neue, wie ich meine adäquate, auf jeden Fall jedoch architektonisch gelungene Residenz errichten ließ. Natürlich nicht für ihn persönlich, sondern für Ordensschwestern, Mitarbeiter des Bischofstuhls und für die Limburger Gemeinde. Doch der Popanz von der Straße unterstellt ihm persönliche Interessen und macht dies an der Größe der eingebauten Badewanne fest. Als wenn die Katholische Kirche jemals die Gläubigen vorab einbezogen hätte, wenn es um ihre Bauten ging. Warum auch. Bauherr ist die Kirche, vertreten durch den Bischof. Er mag Fehler gemacht haben aber das muss er mit seinem Chef ausmachen, nicht mit der Gemeinde. Die Gläubigen irren, wenn sie denken, sie hätten ein Mitspracherecht. Das ist in der Katholischen Kirche nicht vorgesehen. Das mag nicht mehr zeitgemäß sein, aber rechtens. Wem das nicht passt, kann ja austreten und einen eigenen Verein zur seelischen Erbauung gründen.

Social Mob ist nicht sozial. Ganz im Gegenteil. Social ist nichts anderes als der Mob von der Straße. Menschen, die kopflos irgendjemanden nacheifern, der „hängt ihn höher“ in die Menge ruft. Ohne Fakten oder Rechtslage zu prüfen und völlig ohne fairen Prozess. Moderne Wildwestmethoden, die mir zuwider!

 

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