O mein Gott. Schon wieder liegt ein Newsletter in meinem E-Mail-Postfach, der diesen Namen nicht verdient. Weder die Aufmachung, noch der Inhalt sind neu. Im Gegenteil: Sie sind nichts weiter als das PDF eines Prospektes, das neulich schon in meinem Hauspostkasten lag. Wie das?

Es ist eine Unsitte, die leider kaum auszurotten ist: Da geben größere Handelsketten, beispielsweise Kiepenkerl, gutes Geld für die Herstellung ihrer Prospekte aus und damit sich die Ausgabe auch richtig lohnt, wird aus dem Prospekt gleich auch ein „blätterbares Online-Dokument“, sprich ein Blätterkatalog gemacht und ins Internet gestellt. Für den Designer ist das ein Knopfdruck, der Händler spart dabei ein bisschen, doch wer bleibt dabei regelmäßig auf der Strecke? Ja richtig: der Leser.

Aufgewärmtes aus der Grafikkonserve

Anstatt eines interessanten Neuheitenbriefes, bekommt er nur Aufgewärmtes vorgesetzt. Noch dazu ohne brauchbare Interaktivität. Auf Sofortkauf oder Sofortinfo muss er auch komplett verzichten, denn das Dokument funktioniert nicht durch gezielte Mausklicks, sondern nur wie ein gedrucktes Prospekt. Um also beispielsweise das angepriesene Gewinnspiel mitzumachen, müsste der Interessent erst das Dokument ausdrucken, dann das Formular ausschneiden und ausfüllen, auf eine Postkarte kleben, diese freimachen und dann versenden. Wer macht das schon? Ich auf keinen Fall.

Statistik? Fehlanzeige!

Was der Handel bei dieser angeblich so preiswerten Bequemlichkeit auch übersieht: Er kann nicht messen, welcher Artikel oder welches Angebot den Leser besonders interessiert. Er sieht nur Dokument geöffnet oder nicht geöffnet. Kein Vergleich zu den detaillierten Reports, die gute Newslettermailer inzwischen so drauf haben.

Lesefluss und Lesefreude werden erheblich gestört

Mich als Abonnentin stört am meisten jedoch das unbequeme Lesen dieser Blätterkataloge. Erst bekomme ich eine nackte TXT-Mail ins Postfach, die mich emotionslos auffordert, die aktuelle Ausgabe des neuesten „Newsletters“ online zu lesen und wenn ich dann auf den Link klicke, erscheint nur dieser belanglose Vierseiter in einer unlesbar kleinen Schrift und mit winzigen Bilder.

Auch wenn ich das Dokument im Ganzen vergrößere, wird der Lesegenuss nicht besser. Im Gegenteil. Aufgeplustert werden die Bilder nur pixelig und die einzelnen Texte verlieren in lesegerechter Darstellung den Zusammenhang zwischen den einzelnen Textblöcken. Der Überblick geht so komplett verloren.

Gute Newsletter sind noch immer die besten Kundenbindungsinstrumente

Dabei sind echte Newsletter so einfach zu gestalten. Wenn man es dann kann. Und wenn man für dieses hochwirksame Kundenbindungsinstrument bereit ist, online mehr hinzulegen, als ein blätterbares PDF. Ein kleines Kundenmagazin im Blogformat wäre für diesen Zweck ideal. Und wenn kaufbare Produkte beworben werden, geht’s vom Newsletter aus eben direkt in den Shop. Ein simples Prinzip, vom Kunden so gelernt und seit Jahren so gewohnt. Es wird höchste Zeit, dass diese Info mal bei den verantwortlichen Marketingmanagern von Kiepenkerl und Co. ankommt.

 

 

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