Früher war alles besser: Ein Kunde bestellt und die Agentur liefert alles von der Idee bis  zu den fertigen Drucksachen. Und immer wenn der Kunde neue Flyer braucht, hält die Agentur erneut die Hand auf. Service-Fee ist das Zauberwort, das jede Rechnung gleich um 15  Prozent oder mehr verteuert.

Seit es Onlinedruckereien gibt, läuft so manches anders. Der Kunde behält, wenn er will, den Überblick über die Druckkosten und entscheidet selbst, welches Angebot bei welcher Auflage er bestellen will. Waren Mini-Auflagen mit weniger als 100 Stück früher fast undenkbar, sind sie heute bei kleinen Unternehmen und Dienstleistern oft schon die Regel. Zum Schaden der Kreativen ist dieses veränderte Handling allerdings nicht. Denn was Kunden bei alledem noch immer fehlt, sind kreative Ideen und die Fähigkeit, diese in Wort, Bild und in einem ansprechenden Layout umzusetzen. Sollte man meinen.

Doch gute Onlinedruckereien rüsten gewaltig auf. Sie liefern inzwischen sehr brauchbare Layoutvorlagen für allerlei Drucksachen wie Flyer, Visitenkarten, Prospekte und mehr. (Beispiele für Adobe Illustrator, InDesign, Photoshop bei CEWE PRINT). Natürlich funktionieren diese Vorlagen nur mit Profi-Programmen aber so manch ambitionierter Kunde nutzt diese inzwischen auch oder er versucht sein Glück eben mit einfachen Boardmitteln und einer preiswerten PDF-App. Allein die Sache mit den Farbräumen ist für Laien noch viel zu kompliziert. Fehler und Ärger sind entsprechend vorprogrammiert.

Gewitzte unfaire Kunden greifen Knowhow gerne kostenlos ab.

Nicht nur an der Unkenntnis technischer Feinheiten scheitern noch immer so manche Projekte, die früher ausschließlich den Profis vorbehalten war. Auch an eigenen Ideen mangelt es. Abhilfe schaffen „Pitsches für lau“. Anfragen angeblicher Auftraggeber mit der Bitte, dies oder das mal eben kostenlos zu liefern, damit man sich ein Bild über die Qualität der Ideen, Texte oder Grafiken machen könne und damit man erfahre, ob man zueinander passe. Jeder Kreative kennt dererlei unverschämte Forderungen und geht besser nicht darauf ein. Schließlich wird auch dem Kreativen nichts geschenkt. Weder verteilt der Bäcker Brötchen umsonst, noch verschenkt die Tankstelle Benzin-Pröbchen im Kanister.

Plötzlich unterrichten anstatt selbst gestalten.

Und dann gibt es noch Kunden, die nach jahrelanger guter Zusammenarbeit plötzlich denken, sie schaffen es von nun an auch alleine. Mit einem kleinen Text fängt es an und mit dem Anlegen einer Visitenkarte hört es nicht auf. Gleichzeitig fordern sie allerdings intensive Hilfestellung bei der Verwirklichung ihrer neuen Projekte. Welche Schrifttype ist das, welche Farbe genau, wie geht dies oder das, kann dieser Blogartikel so online gehen, wie füge ich ein Bild ins Blog und sorge dafür, das alles gut aussieht? Und so weiter.

Die Frage, die ich mir dann selbst beantworten muss ist: Will ich selbst kreativ sein oder unterrichte ich? Wenn letzteres, dann ändert sich zwar meine eigene Tätigkeit, nicht jedoch mein Honorar.

Insofern sehe ich in Zukunft Fragen nach Knowhow inzwischen etwas entspannter entgegen, Fernunterricht für Online-PR gebe ich schließlich auch. Sollen die Kunden doch selber machen und lernen, dass alles nicht ganz so einfach ist, wie es zunächst den Anschein hat. In Zeiten von DIY ist die Lust am Gestalten eben vielen gegeben. Und wer bereit ist, in eigene Erfahrungen zu investieren, zahlt auch für den notwendigen Wissenstransfer. Kostenpflichtige Kreativkurse und Download-Anleitungen sind dafür der beste Beweis.

Auch ich schaue Profis gerne über die Schulter und erfahre dabei jedes Mal aufs Neue: Echtes Können hat viel mit Erfahrung zu tun und hat seinen berechtigten Preis. Entweder ich will mir diese Dienstleistung oder jenes Handwerk leisten oder ich begnüge mich mit halben Sachen. Risiko und Entscheidung liegen ganz bei mir.

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