Neulich meinte ein langjähriger Kunde, in Zeiten von Whats App wären Grußformeln obsolet und Arbeitsanweisungen in der Betreffzeile ohne Gruß seien doch wohl ganz normal. Es gäbe auch keinen Grund, nach getaner Arbeit ein Feedback zu geben. Wo käme er denn da hin, es kostet doch alles nur seine Zeit.

Keine Zeit mehr für Höflichkeit?

Der Schock sitzt tief. Denn schon einmal habe ich mich von einem Kunden verabschiedet, der ausschließlich über die Betreffzeile mit mir kommunizierte und zwar im schlimmsten Kasernenhofstil und wehe, er verstand meine (ausführlich geschriebene aber leider nicht gelesene) Antwort nicht, dann musste ich bei ihm antanzen und mir vor versammelter Mannschaft Schlimmes anhören. So einen Kunden braucht kein Mensch. Seine Aufforderung, abermals knapp in der Betreffzeile formuliert, ich solle doch wieder meine Arbeit aufnehmen, habe ich mit „Nein danke, für Sie nicht mehr“ quittiert – in der Betreffzeile.

Nun also will ein weiterer Kunde plötzlich auf höfliche Kommunikation und auf übliche gesellschaftliche Umgangsfloskeln wie „Hallo“ oder „Lieben Gruß“ verzichten? Um Zeit zu sparen, wie es heißt. Wir kennen uns doch schon über 10 Jahre, so die Begründung. Deswegen gibt es meist auch keinerlei Feedback zu den erledigten Aufträgen. Nicht geschimpft ist schließlich genug gelobt.

Wertschätzung für Mitarbeiter sieht anders aus.

Natürlich mache auch ich einen Unterschied, ob es die erste E-Mail eines Tages ist oder schriftliches Gespräch mit Zitaten und anschließenden Antworten. Solche E-Mails gehen auch zwischen meinem Kunden und mir oft hin und her. Um bei solchen Konversations-E-Mails kommt es doch ganz besonders darauf an, den Überblick zu behalten. Es hilft, wenn ganz unten noch ein abschließender kurzer Gruß steht. So weiß der jeweils Andere, dass bis zu diesem Punkt die Argumente ausgetauscht sind. Ein offenes Ende führt dagegen gerne zu Missverständnissen – auf beiden Seiten.

Höfliche Kommunikation ist das Schmiermittel des sozialen Miteinanders.

Wesentlich länger als diesen Kunden kenne ich meine Kinder. Mir würde nicht einfallen, sie nicht zu begrüßen, wenn wir uns sehen oder mit einander telefonieren. Es wohnt ja nur noch der Jüngste im Haus doch auch wir wünschen uns gegenseitig einen guten Morgen, einen schönen Tag und abends eine gute Nacht. Es kostet doch nichts, höflich und nett zu einander zu sein und macht das Zusammenleben gleich viel angenehmer.

Zur Sicherheit und weil ich doch schon über 50 bin, habe ich trotzdem die Textinen des Texttreffs gefragt, ob ich inzwischen aus der Zeit gefallen bin und ob Wortmeldungen im Whats App-Stil auch im Geschäftsleben angekommen und weit verbreitet sind? Seitdem ich ihre Antworten kenne, fühle ich mich wieder wohler.

BTW: Sehr ermutigend finde ich übrigens diesen Artikel von Förster & Kreuz. Es geht um dankbare Chefs.

Bleibt die Frage, wie Sie es mit höflichen Umgangsformen im Alltag halten? Grüßen Sie Ihre Geschäftspartner in E-Mails. Und wie halten Sie es mit Freunden, alles nur noch „hey“ und fertig?

 

 

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